Twitter-Typologie


Jetzt mal etwas ganz untypisches für mich: Ich lasse die Zahlen sprechen. All die Profilstatistiken sind inzwischen so transparent, dass es mich einfach reizt, die Menschen nur danach zu bewerten und einzuordnen. Wer sich wiederfindet, muss sich bezüglich seiner Durchschaubarkeit wohl ein bisschen Sorgen machen.

Alle Typen wurden lediglich durch Zahlenspiele unterschieden und wären bei anderer Herangehensweise so nicht entstanden. Basis war jeweils das Verhältnis aus Tweets, Following und Follower (T,F,F) wie sie einem auf den Profilen ins Auge springen. Die Ausführungen zu jedem Typ haben mich jeweils 2€ in einem Online-Texter-Portal gekostet (Diese Einleitung kostete nur 1,35€).

Ich habe flüchtig versucht, die Typen genderneutral zu korrigieren, kann aber für nichts garantieren. Man möge mir kleine Fehler verzeihen.

#Typ1 – Upcoming… please wait!

Hard facts: Mehr Tweets als Followinger. Noch weniger Follower (T>F>F)

TwitternutzerIn, der/die sich Teilhabe wünscht – auch weil er/sie seine/ihre Gesprächspartner im RealLife wohl größtenteils verloren hat. Er/Sie besitzt ein gewisses gesellschaftliches Sendungsbewusstsein, das er/sie in kleine alternative Headlines mit meist noch ungeübtem Wortwitz übersetzt. Da er/sie sich oft zu weit aus dem Fenster hängt, ist er/sie bisher noch kein popkulturelles Fan-Objekt geworden, das die Massen an FollowerInnenn anzieht. Eine kleine Gemeinde hat jedoch nach mehreren groben Misverständnissen (SMS-Effekt) seinen/ihren Wert erkannt oder will zumindest lesen, “was der/die FreakIn jetzt sagt”. Die geringe FolgerInnen-Zahl interpretiert der Upcoming-Typ jedoch ganz anders: Das wenige Feedback sagt ihm/ihr nur, dass er/sie die wirklich klugen und interessanten Menschen im Twitversum erst noch finden muss (siehe hoher Following-Wert).

#Typ2 – Downlooking… speak to the hand!

Hard facts: Mehr Tweets und Folger als Followinger (T>F<F)

Dieser Twitter-Typ hat nichts mehr nötig und sieht sich als unabhängige Playerin im Micro-News-Business. Sein/ Ihr Aufenthalt auf Twitter ist sein/ ihr erbauender Micro-Spaziergang im Always-On des Urbanen. Als Salonlöwin merkt er sich nicht die Namen seiner Follower – geschweige denn, dass er/sie ihnen zurückfolgt, nur weil sie mit unlustigen Zwischenrufen seine/ihre eloquente Rede stören (in der bereits alles zum Thema gesagt wurde). Der Austausch hat für ihn/sie die Domäne des Community-Managments längst verlassen und muss zumindest eine gewisse Qualität (siehe weniger als 200 Following) besitzen. Alles hetzt durch die Timeline der Moderne, doch er/sie schlendert.

#Typ3 – Just curious… I am watching you!

Hard facts: Nur wenige Beiträge und mehr Followinger als Gefolge, (T>F<F)

Dieser/ Diese Account-BesitzerIn ist hauptsächlich auf Twitter, um nichts zu verpassen. ErSie hat in einer kleinen nächtlichen Orgie jeden Twitternutzer, den sier irgendwie finden konnte, zu seinen/ ihren FollowingerInnen gemacht. Seinihre Nutzung ähnelt noch stark Facebook-Statusmeldungen, die über „Müdigkeit“, „Was ein scheiß Tag!“ und „Gute Nacht“ nicht hinausgehen. Erse ist etwas schüchtern und spricht andere Nutzer ungern an oder weiß nicht, wie das geht. Zwischen einzelnen Tweets können manchmal Wochen liegen. Keiner weiß wirklich, woher die Paar FollowerInnen kommen. Wahrscheinlich handelt es sich um Real-Life-Bekannte, die mit Sätzen wie „Auf Twitter habe ich gelesen…“ das Account überhaupt erst provoziert haben. Für den/ die ‚Just curious’-TypIn bedeutet das Medium Twitter abwechselnd Gruppenzwang oder Ereignismaschine für den Fernseh-Feierabend.

#Typ4 – The Searchterm… what do you want from me?

Hard facts: Weniger Tweets als Followinger aber riesiges Gefolge, (T<F<F)

DieseR Nutzine hat entweder einen aussagekräftigen Nickname oder zu Beginn viel versprochen. Letzeres kann über Titten-/Sack-Bilder erfolgt sein oder über eine extreme monothematische Verengung in der Profilbeschreibung wie „Hamsterzaumzeug im Ruhrgebiet“ oder ähnlichem. Die wenigen Tweets weisen entweder darauf hin, dass alle Offtopics rigoros aussortiert wurden oder dass der/die NutzerIn eigentlich selber nach News zu Hamsterzaumzeug sucht (Für Titten und Sack-Bilder ist letztere Erklärung für wenige Tweets jedoch eher unwahrscheinlich). Seine Follower bestehen entweder aus ‚Just curious’-Typen oder aus einer notgeilen Variante von Typ Upcoming, der für ihre Frau/ seinen Mann durch Twitter und Verschwörungstheorien inzwischen zu sarkastisch und unromantisch für’s Bett geworden ist. Auch der folgende Typ 5 hat im Rahmen einer Marktanalyse mal vorbeigeschaut.

#Typ5 – The Professionals… Just in it for the succes (e.g. money)!

Hard facts: Gleiche Anzahl an Followern und Followingern, (T>F=F) / (T<F=F)

Diese beiden Varianten von Twittertypen verweisen auf Professionalität am Tweetdeck. Der eigentliche Zweck des Accounts liegt im Gegensatz zu allen anderen TwitternutzerInnen im RealLife der eigenen wirtschaftlichen Situation. Social Media ist für die Damschaften und Herren nur ein weiterer Verkaufskanal für ihre Dienstleistungen und dient dem Networking. Folgt man ihnen zurück wird man automatisch mit persönlichen Nachrichten begrüßt, die Links enthalten können. Sie ihrerseits folgen grundsätzlich zurück, interessieren sich aber in der Regel nicht für ihre Timeline, sondern verlassen sich auf die Twittersuche nach Keywords oder Mentions und mögliche Leads.

Und? War die Typisierung anhand von Profilstatistiken sinnvoll? Ich würde sagen, bei den letzten 2 Typen ja, bei den anderen kann auch viel Zufall bei den Zahlen im Spiel sein. Falls sich jemand wieder gefunden hat, tut mir das echt leid. Letztlich ist es recht abscheulich, Menschen anhand von Zahlen abzuschließen. Ich bin einer der Lieben, der Euch wenigstens sagt, dass die Welt so denkt.

Eine bessere Typisierung anhand von Motivationen und Handlungs-Philosophien der einzelnen Nutzer wird irgendwann folgen.

Viel Spaß beim Denken wünscht:

The Pi – #Typ1

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2 Kommentare

  1. Siggi
    Erstellt am 19. Mai 2011 um 16:11 | Permanent-Link

    Also, Geschlechterangleichung in allen Ehren, aber Mann/Frau kann diesen an sich schönen Text nun nicht mehr lesen. Politische Korrektheit schön und gut, aber wenn sowohl männliche als auch weibliche Leser sich durch diese Zeilen quälen müssen, ist niemandem geholfen. Machs doch wieder rückgängig und erwähne in einem einleitenden Satz, dass auch Frauen gemeint sein können…

    • Pi
      Erstellt am 20. Mai 2011 um 18:54 | Permanent-Link

      Es ist qualvoll zu lesen. Finde aber Formen wie “erse” oder “seinihre” ganz brauchbar ;) Vielleicht gehe ich bei Gelegenheit noch mal drüber. Bis dahin können auch Cyberfeministinnen meine Bemühungen erkennen… #Shitstormversicherung

Ein Trackback

  1. Von Community Manager Typen am 4. August 2011 um 10:34

    [...] Glück sind wir hier nicht bei “Was ohne Denken”. Nachdem die hiesige Twitter-Typologie soviel Zuspruch erhalten hat, will ich auch bei den Community Managern auf die Suche nach [...]

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