Manifest: Denken für alle!

Wir haben ein gesellschaftliches Problem: die alten Hierarchien des Wissens und Denkens greifen nicht mehr. Waren es früher bildungsbürgerliche Eliten, die das öffentliche Leben mit ihren Theorien und Lösungen prägten, so haben sich durch neue Medien die Möglichkeiten der Teilnahme vervielfacht. Die  alten hermetischen Räume der Auseinandersetzung beginnen zu bröckeln und die Intellektuellen und Titel-Erben müssen bei ihrer Rhetorik das Forum der weniger Gebildeten achten.

Wir fordern deshalb die gelernten Denker auf, dieser Realität Rechnung zu tragen und den Dialog mit den wirklichen Menschen wieder aufzunehmen. Hierbei müssen sie die Autorität ihres Spezialwissens und ihres Kenntnisreichtums aufgeben. Dies mag ungemütlich sein und manch einer stolzen Bildungsbiographie widersprechen; wir glauben jedoch, dass dies der einzige Weg zu einer wahren Demokratie ist.

Wir fordern außerdem alle in ihrem Alltag gefangenen Menschen auf, das Denken wieder ernst zu nehmen. Hierfür müssen auch sie die Gehässigkeit ihres Anti-Intellektualismus aufgeben. Es mag ungemütlich sein, die alte Skepsis gegenüber dem  Studium dieser Welt, das einem selbst durch die ständige Maloche nie wirklich  gegönnt war, abzulegen; wir glauben jedoch, dass niemand diese Welt und ihre Probleme ohne gutes Denken begreifen kann.

Das Wissen dieser Welt wächst und verführt durch diese Komplexität den Menschen, auf eine einfache Wahrheit zu hoffen. Die Wirklichkeit ist jedoch konkret und lokal und keine Zahl. Nur eine Kommunikation auf Augenhöhe wird dieser Wahrheit und ihren Schwierigkeiten gerecht. Nur sozial offenes Denken löst die asozialen Probleme dieser Welt. Niemand versteht ohne Erfahrung, und niemand ist auf dieser Welt allein.

Wer sich diesen Forderungen und Feststellungen verpflichtet fühlt, darf gerne in den Kommentaren mit seinem Namen zustimmen. Das Manifest wurde zum Unterschreiben noch ein mal in einem Posting dupliziert: “Posting Denken für alle!”

  • Vielen Dank für den Hinweis: